Sie haben einen Männer- oder Frauen-Abend, sind unterwegs und stellen im Laufe des Abends fest, dass die anderen Personen so viel tolles über ihre Beziehung sprechen, während Sie nur schweigend daneben sitzen. Nicht etwa, weil Sie keine Beziehung haben, sondern weil Sie nichts zu erzählen haben. Dabei sind die Anderen schon deutlich länger in der Beziehung als Sie es sind. Dennoch haben Sie das Gefühl es stimmt was nicht. Meist fragt man sich in diesem Moment „Warum kann ich nicht einen Partner haben, über den ich stolz berichten kann, beispielsweise weil er…

  • mich nach all den Jahren immer noch zum Lachen bringt
  • mich immer lecker bekocht
  • mir meine Wünsche von den Lippen abliest
  • immer zu mir steht
  • mir all das gibt, was ich brauche
  • er mein leben bereichert
  • …“.

Natürlich gehen Sie an diesem Abend einmal mehr enttäuscht nach Hause, wissentlich, dass dort niemand auf Sie wartet, der Ihnen eine Freude bereitet und nicht nur herumgammelt und dem Sie hinterher räumen müssen. Zu beginn ihrer Beziehung haben Sie noch miteinander gelebt, miteinander Entscheidungen getroffen, miteinander gekocht und miteinander den Haushalt geschmissen. Nun leben Sie in ihrer Beziehung nebeneinander, d. h. jeder trifft für sich seine Entscheidungen, gemeinsames Kochen findet in den seltensten Fällen statt und der Haushalt bleibt vermutlich auch vermehrt an einer Person hängen. Über das Wörtchen Liebe, Leidenschaft und Erotik muss ich in diesem Fall wohl weniger eingehen.

Wenn die Aufmerksamkeit zur Selbstverständlichkeit wird

Worüber sich ihr Partner früher noch gefreut hat und auch wahnsinnig toll fand, wird heute keine Mine mehr verzogen, geschweige den ein Dankeschön zum Ausdruck gebracht. Wenn jedoch Abläufe, ganz egal welcher Art als selbstverständlich hingenommen werden, dann ist dies meist schon ein Zeichen dafür, dass die Beziehung in eine Krise steuert. Lassen Sie es nicht zu, dass Sie Dinge zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Wenn Ihr Partner etwas für Sie tut, zeigen Sie ihm auch, dass Sie es zu schätzen wissen. Dabei geht es nicht darum, ob Sie es sich gewünscht haben, sondern dass er etwas getan hat. Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zuspruch sind wichtig in einer Partnerschaft, sonst droht diese schnell vor dem Aus zu stehen.

Beziehungsprobleme fordern Entscheidungen

Erst lebt man miteinander, dann nebeneinander und zum Schluss ohneeinander. Viele Beziehungen, die scheitern laufen nach diesem Schema ab. In der frischen Phase der Beziehung ist alles super, alles toll. Man ist verliebt, bezieht irgendwann eine gemeinsame Wohnung und stellt, kocht gemeinsam, hat Spass miteinander, freut sich den Partner nach dem langen Arbeitstag in seine Arme schließen zu dürfen. Doch so bleibt es in vielen Fällen nicht. Was ist, wenn man bereits seit längerer Zeit nebeneinander lebt, man das Gefühl hat, der Partner interessiert sich nicht mehr, aber auch selbst keine Gefühle mehr für seinen Partner hat – Was soll man hier bloß tun?  Ja nichts überstürzen – haben Sie das erwartet? Haben Sie diese Aussage von mir erwartet? Wenn ja, dann irren Sie sich! Zunächst einmal sind Sie selbst für ihr Leben verantwortlich, nicht ich, nicht ihre Freunde und auch nicht ihr Partner. Sie alleine bestimmen ihr Leben. Doch wenn ich eines weiß, dann dass Personen die nichts überstürzen sich auf Ewigkeiten in dieser Situation befinden werden, weil Sie es einfach so hinnehmen und akzeptieren. Kann man natürlich auch, doch möchten Sie so den Rest ihres Lebens verbringen? Ich denke nicht!

Sie haben Beziehungsprobleme, dessen sind Sie sich bewusst. Doch sträuben Sie sich dafür eine Entscheidung zu treffen. Gerade Frauen schieben dies meist vor sich her, ähnlich der Entscheidung, welches alte Paar Schuhe, bzw. von welchen Kleidungsstücken Sie sich trennen sollten. Wenn Sie jedoch Platz im Schrank benötigen, um die neue Frühjahrsmode kaufen zu können, dann müssen Sie eine Entscheidung treffen. Und hierbei geht es lediglich um Mode! Wenn es um IHR Leben geht, scheinen Sie Probleme damit zu haben eine Entscheidung zu treffen.

Beziehung Pro & Contra

Eine Beziehung, oder gar Ehe zu beenden, ist keine einfache Sache. Und wenn Sie sich nicht sicher sind, dann sollten Sie unbedingt eines tun – eine Liste erstellen. Was mögen Sie an ihrem Partner und was mögen Sie nicht? Was gefällt Ihnen an ihrem Partner, was nicht? 2 Spalten mit Pro & Contra und eine zusätzliche Bewertung der einzelnen Punkte kann für Klarheit sorgen. Die Bewertung der einzelnen Punkte führen Sie nach folgendem Schema durch (0 = unwichtig, 10 = sehr wichtig). Dadurch erhalten Sie sehr schnell das Gefühl, wo Sie in ihrer Beziehung stehen, welche Punkte Ihnen wichtig sind, welche eher weniger wichtig und welche dieser Punkte ihr Partner erfüllt und welche weniger.

Zweite Chance

Gerade wenn es darum geht getrennter Wege zu gehen, wird im Gespräch meist die „zweite Chance“ angesprochen. Eine zweite Chance? Wofür? Dafür, dass der andere sich kurzfristig bemüht, dann jedoch wieder in das selbe Muster verfällt? Wer hier drauf eingeht, der macht dies meist aus dem Grund heraus, weil er Angst vor dem nächsten Schritt hat.

Dennoch sollten Sie konstant ihren Weg gehen und sich nicht von ihrem Vorhaben abhalten lassen.  Schließlich hatte man es zuvor auch nicht für nötig gehalten, etwas zu tun.

Die Ehe-/ Paartherapie als zweite Chance

Nicht immer fällt es einfach sich vom Partner zu trennen. Insbesondere dann nicht, wenn gemeinsame Kinder im Spiel sind. In dieser Situation kann ich nur dazu raten eine Ehe-/ Paartherapie, sprich eine Ehe-Beratung aufzusuchen. Sprechen Sie mit ihrem Partner darüber und zeigen Sie ihm, dass Sie der Beziehung mit dieser Option noch eine zweite Chance geben. Eines sollte Ihnen und ihrem Partner bewusst sein. Die Erkenntnis kann bei einer solchen Beratung auch eine Trennung bedeuten. In diesem Fall haben Sie jedoch eine Beratungsstelle, die Ihnen als Paar hilft. Schließlich geht es in einem solchen Fall auch vorrangig um ihre gemeinsamen Kinder.

Meine Erlebnisse

Ich schreibe über all diese Punkte, weil ich sie erlebt habe. Nach 10 Jahren Ehe und 2 Kindern, war die Beziehung gescheitert. Wir haben viele Sitzungen bei der Eheberatung aufgesucht. Mussten uns jedoch irgendwann eingestehen, dass wir durch die Sitzungen nicht den Weg zueinander gefunden haben, sondern erkannt haben, dass es besser ist eine gemeinsame Zukunft als Freunde zu gestalten, als eine brach liegende Ehe zu kitten. Heute sind wir sehr gute Freunde, die sich alles erzählen und sich besser verstehen, als in den letzten Ehejahren. Und auch die Kinder haben durch diese Trennung nicht wesentlich gelitten, da diese mich jederzeit sehen dürfen, auch außerhalb der Papa-Wochenenden. Natürlich habe auch ich danach irgendwann mich wieder auf Partnersuche begeben und zuletzt auch den richtigen Partner gefunden.